Das iPad ist zu Hause, die ersten Apps runtergeladen und natürlich sind auch die ersten Zeitungs- und Zeitschriften-Apps dabei. Man probiert aus und ist über das iPad und seine Möglichkeiten immer noch geblendet, aber irgendwo im Hinterkopf meldet sich diese Stimme, die mit den Medienangeboten der Verlage völlig unzufrieden ist. Und die Stimme hat recht.
The Good.
iBooks hat Potenzial, definitiv. Die Möglichkeit Apps von großen Verlagen runterzuladen und offline DEN SPIEGEL oder WIRED zu lesen ist schön. Auch die Möglichkeit des "In-App-Purchase" ist toll - jedenfalls für den Konsumenten, kaum für den klassischen Vetrieb, wie Kioske oder Buchhandlungen. Man kann seine Publikation in verschiedenen Arten anbieten, die taz bietet sich gar im iBook-Store an, für lächerliche 99 ct. Damit ist sie natürlich in den Charts auf Platz 1, weil völlig allein auf weiter Flur … clever.
The Bad.
iBooks bleibt - jedenfalls in Deutschland - unter seinen Möglichkeiten. Abgesehen davon, dass viele Verlage noch zögern, ist das Angebot schlicht zu dünn. Schade. Denn als "Reader" hat das iPad definitiv gezeigt, dass es in der Oberliga mitspielt. Es sei denn, man möchte am Strand lesen.
Warum ist iBooks suboptimal? Stöbern ist nicht. Es gibt (derzeit) keine Möglichkeit nach Genre zu suchen (jedenfalls hab ich das noch nicht entdeckt). Zwar sind immer wieder HiLites wie beispielsweise "Krimis" zu sehen, aber es gibt (derzeit) keine Möglichkeit in die Kategorie "Science Fiction" zu wechseln, weil es keine Suche nach Kategorien gibt.
Das ist öde, denn man muss so viele Seiten durchblättern, um mal etwas passendes zu finden.
Inhaltsangaben gibt es zwar, aber manche Verlage scheinen sich auch das zu sparen. Sprich: man macht es sich all zu einfach und scheint auch hier mal wieder eine historische Chance zu vergeigen. Auch sind die Books zum Teil sehr schlecht editiert. Da es kein automatisches Trennprogramm im Reader gibt, kommen immer wieder seltsame Dinge zustande wie auseinandergerissene oder zusammenklebende Wörter. Von den Druckfehlern mal ganz zu schweigen, hier ist einfach mehr Sorgfalt angesagt. (Man stelle sich einen Stones-Track vor, der mitten drin stottert oder klickt. Undenkbar.)
Magazine sind langweilig. DER SPIEGEL ist ein Rückschritt. Es sind bessere pdfs, die mit multimedialen Möglichkeiten ausgestattet sind. Leider ist die erste Ausgabe sehr shakey - vor allem wenn man sich im 3G-Netz befindet. Filme? Werden offensichtlich über das Netz (nach-)geladen. Das führte hier zu Abstürzen. Macht nichts? Doch. Denn im Browser läuft alles rund und der Informationsgehalt ist auch gegeben. Von den Möglichkeiten mal abgesehen. Die einzige derzeitige Daseinsberechtigung für die SPIEGEL-App ist die Möglichkeit für den Verlag, Geld zu verlangen. Das ist leider zu wenig.
The Ugly.
Ist das Lesen von e-Papers dem iPad angemessen? Einige würden das im Hinblick auf die WIRED-App bejahen, aber gerade an dieser App scheiden sich die Geister. Zwar sind die über 500 MByte-Daten ein wahres Schatzkästchen an Effekten, Filmen und "Eyecandy", aber das wars auch schon. Man machte sich zwar die Mühe, eine Quer- und Hochformat-Version herzustellen, aber verzichtete auf copy/paste, Schriften vergrössern etc. weil die gesamte Ausgabe aus Bildern besteht. Epic Fail in meinen Augen. Auch die typografische Auffassung ist 1:1 vom Printmagazin übernommen. Epic Fail auch hier, denn was auf den ersten Blick wie rattenscharfes Layout daherkommt ist tatsächlich nach ein paar Minuten furchtbar nervig.
Nicht viel besser DER SPIEGEL. Da hat man nun gar nix weiter gemacht und pdf-artige Layouts - immerhin mit zwei Spalten (warum in Gottes Namen?) - als App verpackt. Preismäßig ist DER SPIEGEL auch keine Offenbarung. Meilenweit unter den Möglichkeiten des iPad.
Schliesslich DIE TAZ. Als e-Pub. Nicht wirklich clever, und schon gar keine grafische Offenbarung. Typisch linker Konservatismus halt, aber dafür preiswert. Lesen muss man DIE TAZ dann wie ein Buch. das ist zwar lesefreundlich, aber hat auch gar nichts mehr mit einer Tageszeitung zu tun, bis auf die "Screenshots" am Anfang jeder "Seite" und dem chicen "Umblättern-Trick".
Und im Internet? Da ist SAFARI die tollste App, die es auf dem iPad derzeit gibt. Auch wenn die Medienhäuser das noch gar nicht kapiert haben und nicht wirklich reagieren. Logisch. Da kann man auch nichts "erlösen", ausser durch die langweilige Bannerwerbung.
Ist das iPad also ein EPIC FAIL?
Fréderic Filloux sieht das in seiner mondaynote anders. Er titelt ganz optimistisch: "iPad Media Apps: can do better".
Zitat: »Many of them mentioned Safari as one of their favorites. Jacob Weisberg, chairman and editor-in-chief of the Slate Group e-mailed back : “You don’t need the apps! The Safari browser is a great way to navigate magazines and newspapers. As I wrote in that
column, the PDF-type magazine apps feel like a huge step backwards – remember
Zinio? I don’t like being locked in a walled garden within a walled garden. But I hold out hope for the next generation of apps [Slate is about to release its own, inspired by BBC and NPR]“.«
Warum überhaupt Apps, fragt man sich, wo doch durch die hervorragende HTML5-Kompatibilität von SAFARI auf dem iPad eigentlich Internet-Auftritte möglich wären, die jede, und wirklich jede Medien-App derzeit wegblasen könnten (vor allem auch kostenmäßig)? It’s all about the money, wie oben erwähnt. Andererseits könnte man auch auf den Optimismus von Filloux hoffen …