Der Bundespräsident im O-Ton: "Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen - negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen."
Daraus lesen unsere Journalisten, äh nein, WOLLEN unsere politisch korrekten Journalisten lesen, dass Köhler den Anpfiff zum doitschen Imperialismus im 21. Jahrhundert gesetzt hat. Ist das wirklich so? Natürlich. Wenn es die Qualitätspresse so schreibt, muss es ja stimmen, aber was sagt er eigentlich?
1. "dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege" - ich verstehe das so, wie er es vermutlich gemeint hat, als Hinweis auf die Zunahme beispielsweise der Piraterie am Horn von Afrika. Da tun mir (und vermutlich 80% der Deutschen Mitbürger) die Herrschaften eigentlich zu wenig. Und wenn, dann kommen die armen, armen Piraten ("Sie konnten nicht anders") in den nächsten Streichelzoo. Das ist schon ok. Wenn also Köhler das gemeint hat, kann man als normal denkender Mensch (als Journalist schon!) eigentlich nichts schlimmes daran finden.
2. "(...) zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen - negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen." Hier wirds dann schon schwieriger, weil diffuser, allerdings meint er da vermutlich nicht die Verteidigung Doitschlands am Hindukusch - was meint er da? Dass die Bundeswehr losmarschiert, und Pakistan platt macht, bzw. Afghanistan oder gar irgendein Land, das unsere wirtschaftliche Vorherrschaft durch nennen wir es mal vage "Terrorismus" in Frage stellt? Nachdem Köhler kein Blödmann ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass er das gemeint hat.
Hier wäre eine Konkretisierung von Nöten, die es vielleicht sogar gab. Alle Journalisten haben sich auf das obige Zitat gestürzt, ganz wie damals das Zitat der "moralischen Keule". Allein: damals hatte vermutlich kaum einer dieser Qualitätsschreiberlinge die gesamte Rede gelesen. Das hätte eine unsägliche (wohl aber in Teilen berechtigte) Diskussion verkürzt. Vermutlich wird diese Diskussion auch wieder unsäglich durch die Medien angeheizt werden, bis Köhler als der Nazi-Bundespräsident, der den Doitschen Imperialismus wiederbeleben wollte, in die Geschichtsbücher eingeht. Das macht aber nichts. Denn diese mediale Kakophonie wird das Internet, die Printlandschaft und nicht zuletzt die Stammtische richtig befeuerm, bis dann die WM losgeht ...
(Update): Hart aber konsequent. Köhler tritt zurück.