Wenn
Nightwish derzeit auf Tournee ist, fragen sich die harten Fans nur eines: bringt sie es? Und naturgemäß gehen die Ansichten dann ganz schön auseinander, denn Tarja wäre nur durch eins zu ersetzen gewesen – Tarja. So jedenfalls die Lesart.
Nun bin ich kein Hardcore-Fan. Solche Besetzungsfragen würden mich allenfalls bei Queen interessiert haben, wenn Freddie gegen irgendjemanden ausgetauscht worden wäre, zu seinen Lebzeiten.
Die Solo-CD von Tarja jedenfalls war für mich unanhörbar. Opernsängerin hin oder her - die Frau ist einfach zu cool. Auch für finnische Verhältnisse. Zwar kenne ich sie als Frontfrau nur aus DVDs und Erzählungen, aber so richtig spassig fand sie das Bad in der Menge wohl nie. Dementsprechend unterkühlt kam sie auch rüber. Die Stimme war allerdings erste Sahne.
Bringt uns zur neuen Frontfrau. Bringt sie’s? Sagen wir es mal so. Sie ist keine Opernsängerin, sondern "nur" eine verdammt gute Rocksängerin. Und damit passt sie eigentlich bessern zu den Jungs. Die neuen - bereits von ihr eingespielten - Stücke bringt sie sehr gut rüber. Die alten Sachen eben anders. Nicht schlechter. Rockiger.
Fazit? Klasse Konzert mit bestens aufgelegten Akteuren, einer perfekten Show, tollen Effekten und kurzweiligen 100 Minuten. Was will man mehr? Haben wir Tarja vermisst? Nicht wirklich. Als Anheizer ist Anette fantastisch. Die Stimmung war demenstprechend frenetisch, sieht man von einigen Hardcore-Fans ab, die nichts damit anfangen konnten.
Die Vorbands waren mehr als ok.
Indica überraschte uns positiv. Vor allem mit einem bestens vorgetragenen Wuthering Heights-Cover von Kate Bush. Die Jungs von
Pain spielten im Anschluss die Turbo-Anheizer.
Unterm Strich fällt bei den finnischen Rockern immer dasselbe auf: sie sind unglaubliche Romantiker, wenn man sich auf die Musik mal eingelassen hat. Und das ist gut so.